Programm

Missa Ecce ancilla Domini

Die um 1470 entstandene Missa »Ecce ancilla Domini« des franko-flämischen Sängers, Komponisten und Klerikers Johannes Ockeghem (um 1420/25-1497) ist in der prachtvoll illuminierten Musikhandschrift des sogenannten »Chigi-Kodex« überliefert. Benannt nach seinem früheren Besitzer, dem Kardinal und nachmaligem Papst Alexander VII., Fabio Chigi (1599-1667), wird diese bibliophile Kostbarkeit der Frührenaissance heute in der Bibliothek des Vatikans aufbewahrt. Sie ist eine der wichtigsten Quellen zur Vokalpolyphonie des 15. Jahrhunderts und namentlich zum Schaffen Ockeghems. Seine vier-stimmige Missa »Ecce ancilla Domini« zum Fest Mariä Verkündigung (25. März) ist auf dem Melodieabschnitt eines Gregorianischen Chorals im Refrain der Antiphon »Missus est angelus Gabriel« nach dem Lukas-Evangelium aufgebaut. Er ziert im Original Marias Worte an den Erzengel Gabriel aus: »Siehe, ich bin des HEEREN Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast.« (Luk 1:38) Kein Geringerer als der bedeutende Musikgelehrte Johannes Tinctoris nannte Ockeghem in seinem Traktat »Proportionale musices« in einem Atemzug mit Großmeistern wie Dufay, Binchois oder Busnoys. Wenn Musik schöner als alle anderen Künste »das Lob Gottes zu schmücken«, »die Freuden der Seligen zu vergrößern« und »auf den Empfang der Segnung des Herrn vorzubereiten« vermag, wie Tinctoris andernorts behauptet, so gilt dies ganz besonders von der himmlisch entrückten Kunst Johannes Ockeghems.

Schwarze Spiegel: Musikalische Reflexe des Bauernkrieges 1525
Erasmus von Rotterdam schreibt im vierten Kapitel seines 1516 gedruckten Fürstenspiegels »Institutio principis Christiani«, »Die Erziehung des christlichen Fürsten«: »Man muss sich darum bemühen, möglichst wenig Steuern vom Volk zu erheben«, denn sonst könne »die überforderte Geduld des Volkes sich in einem Aufruhr Luft machen«. Mit Blick auf das Deutsche Reich zu Beginn des 16. Jahrhunderts war diese Warnung wohlbegründet: Die soziale Ungleichheit war enorm, und besonders die ländliche Bevölkerung ächzte unter der Last der Abgaben und Frondienste.
Bereits in den vorausgegangenen Jahrzehnten war es immer wieder zu Protesten und Erhebungen gekommen. Unter dem programmatischen Spruch »Als Adam grub und Eva spann, / Wo war da der Edelmann?« wurde der Vorrang des Adels und damit die weltliche Herrschaft in Frage gestellt. Spätestens seit dem Auftreten von Johannes Hus in Böhmen und von Girolamo Savonarola in Florenz war die ökonomisch motivierte Revolte zudem mit der Auflehnung gegen die Römische Kirche und deren Alleinvertretungsanspruch in Glaubensdingen verbunden. So kann es nicht überraschen, dass der Siegeszug der Reformation wesentlich zur Ausbreitung und den anfänglichen Erfolgen der »Revolution des Gemeinen Mannes« in den Jahren 1523 bis 1526 beitrug. Entsprechend wurde andererseits deren blutige Unterdrückung durch die Abwendung Martin Luthers von den »mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern« wesentlich befördert. In den Schlachten bei Frankenhausen und Würzburg im Frühsommer 1525 fielen tausende von Aufständischen.
Mit der Unterdrückung der Bewegung wurde auch deren kulturelles Umfeld weitgehend ausgelöscht, damit auch die mit ihr verbundene Musik. Reflexe von ihr freilich haben sich erhalten, nicht zuletzt im »Volkslied«. Sie werden im Konzert der Capella de la Torre aufgegriffen und der reich überlieferten Musik der offiziellen Kultur der Zeit gegenübergestellt. Dabei finden auch musikalische Zeugnisse von Vorläuferbewegungen der »Revolution des Gemeinen Mannes« Berücksichtigung.

steinfederspiele
Das Festival steinfederspiele will zur Sommersonnenwende 2019 in Weißenkirchen im Weltkulturerbe Wachau mit Musik zwischen Mittelalter und Renaissance bezaubern.Diese Musik von renommierten Künstlern zu präsentieren und das malerische, einzigartige Ambiente von Pfarrkirche und Teisenhoferhof in Einklang zu setzen, ist dabei dem Festival-Team ein besonderes Anliegen.Dem Initiator Peter Reichelt, der seit 2009 auch Wiens Festival der Alten Musik, die »Resonanzen« im Wiener Konzerthaus kuratiert, ist insbesondere die Gewinnung hochklassiger Sänger und Musiker bei den Steinfederspielen zu verdanken.Der Veranstalter, der ausschließlich von Ehrenamtlichen getragene Verein Freunde des Teisenhoferhof, möchte mit diesem Festival für Bewohner der Marktgemeinde Weißenkirchen wie auch Gäste der Wachau den Teisenhoferhof als lebendigen Begegnungsort für Kunst und Kultur erlebbar machen.

 

info@steinfederspiele.at, www.teisenhoferhof.at

Peter Reichelt